Baustein I: Grundzüge qualitativen Forschens

Ziel dieses Bausteins ist es, einen Einblick in die Grundzüge qualitativen Forschens zu erhalten. In einem ersten Schritt werden grundsätzliche Aussagen zum Empiriebegriff zusammengetragen, um dann in einem zweiten Schritt Kenntnisse zu folgenden Fragen der qualitativen Sozialforschung zu erarbeiten: An welche Grenzen stößt die quantitative Forschung? Aus welchen Denktraditionen sind das qualitative Forschen und Denken entstanden? Was sind die wichtigsten Grundlagen der qualitativen Forschung? Mit wel­chen Gütekriterien lassen sich qualitative Forschungsvorhaben wissenschaftlich ab­sichern? Dieser Baustein soll Ihnen damit das Verständnis darüber erleichtern, was man unter qualitativer Forschung versteht und wo ihre Unterschiede zur quantitativen Forschung liegen. Diese Informationen sind eine notwendige Grundvoraussetzung, wenn wir uns in den folgenden Bausteinen mit Erhebungs- und Auswertungsmethoden sowie Untersuchungsdesigns qualitativer Forschung befassen.

 

I: 1. Der Empiriebegriff

Allgemeine Informationen

Definition von Empirie

Der Begriff Empirie (griech. empeiria = Erfahrung) bezeichnet sowohl eine philosophische Strömung (Empirismus) als auch ein bestimmtes Alltags- und Wissenschaftsverständnis. Dabei werden in der Empirie und im Empirismus alle Erkenntnisse allein auf die Beobachtung, also auf gemachte Erfahrungen zurückgeführt. Im Kern gibt es keinen grundlegenden Unterschied zwischen alltäglicher und wissenschaft­licher Erfahrung (Komrey, 2000).1 Unterschiede aber gibt es in der Systematik und in der Zielsetzung: Die Alltagserfahrung ist eher situ­ationsorientiert und zielt meist auf konkretes Handeln ab. Zudem sammelt man Erfahrungen im Alltag eher unsystematisch und Alltags­erlebnisse (Alltagstheorien) bleiben meist implizit. Wissenschaftliche Erfahrung dagegen ist erkenntnisorientiert und zielt auf Verallgemei­nerungen ab, die z.B. durch Abstraktion oder Induktion gewonnen werden. Das Vorgehen, Erfahrungen zu sammeln, unterliegt strengen Regeln. Die durch wissenschaftliche Erfahrungen entstandenen Theo­rien werden grundsätzlich expliziert (vgl. Schubert & Klein, 2001).2

Empiriker

Bekannte Empiristen (oder Empiriker) und Philosophen, die den Empi­rismus in der Antike vertraten, waren Aristoteles und Epikur. In der Neuzeit lassen sich unter anderem folgende Personen als Empiriker bezeichnen: Francis Bacon, Thomas Hobbes, John Locke, George Berkeley, David Hume und John Stuart Mill.

Empirische Wissenschaft

Nach Früh (2001)3 ist die empirische Wissenschaft die systematische und intersubjektiv nachvollziehbare Sammlung, Kritik und Kontrolle von Erfahrungen, womit die Kernelemente noch einmal zusammenge­fasst sind. Empirie ist also der wissenschaftliche Begriff für Forschung im Gegensatz zum rein theoretischen Vorgehen.

Ziel empirischer Wissenschaften

Empirische Wissenschaften machen Aussagen über die Realität, indem sie aus der Beobachtung heraus Theorien ableiten und diese dann wiederum etwa durch Beobachtungen oder Experimente überprüfen. Empirische Wissenschaften wollen Aussagen über die Realität erhalten. Der Erkenntnisgewinn liegt jeder Wissenschaft als Zielset­zung zugrunde. Wissenschaften benötigen stets Theorien (Beschrei­bungen und Erklärungen), Empirie (Tatsachen, Beobachtungen) und Kommunikation (die intersubjektive Überprüfung). Wissenschaftliche Vorgehensweisen zum Erkenntnisgewinn sind dennoch nicht einheit­lich, sondern vielseitig. Insbesondere geht der Empiriker anders vor als der Theoretiker (Stangl 2004).4 „Empirische Wissenschaft soll nicht Glaubenssicherheit vermitteln, sondern die Welt, - so wie sie ist - beschreiben und erklären, soll die Augen für den kritischen Blick auf die Realität öffnen."(Komrey, 2000, S. 15) 5

 

  1. 1. Kromrey, H. (2000).  Empirische Sozialforschung.
  2. 2. Schubert, K., & Klein M. (2006).  Empirie, empirisch, Empirismus.. Das Politiklexikon.
  3. 3. Früh, W. (2001).  Inhaltsanalyse. Theorie und Praxis.
  4. 4. Stangl, W. (2004).  Grundbegriffe des Empirismus.
  5. 5. Kromrey, H. (2000).  Empirische Sozialforschung.

Zentrale Begriffe & Merkmale

Induktion versus Deduktion

Vereinfacht gesprochen, geht der Empiriker davon aus, dass er nur genügend Einzelbeobachtungen zusammentragen muss, um ein kom­plexes Beziehungsgefüge zwischen den Gegenständen erkennen zu können. Er schließt also vom Besonderen mittels Induktion auf das Allgemeine, ohne bereits Beziehungen oder Erkenntnisannahmen vor­wegzunehmen. Der Theoretiker dagegen geht von seinem theore­tischen Bezugssystem aus und lässt sich danach deduktiv in seinem Forschungsprozess leiten (Deduktion: vom Allgemeinen auf das Be­sondere und von der Theorie zur Empirie). (Stangl, 2004)1

Wissenschaftliche Erkenntnis als Kreismodell

In der Forschungspraxis ist der Erkenntnisfortschritt in den empi­rischen Wissenschaften eher ein Wechselspiel

von Theorie und Em­pirie. Rost (2002)2 beschreibt dabei den Weg der theoretischen Kon­zeptionen hin zu einer empirischen Beobachtung als Deduktion und in Ergänzung dazu den Weg von der Empirie hin zu einer Theorie als Induktion. Das sinnvolle Zusammenspiel im Rahmen des Kreismodells nach Rost löst den philosophischen Disput zwischen den Positionen des Empirismus und Rationalismus auf und erkennt die praktizierten Asymmetrien zwischen induktiven und deduktiven Prozessen an.

Kreislaufmodell

 

 

  1. 1. Stangl, W. (2004).  Grundbegriffe des Empirismus.
  2. 2. Rost, J. (2002).  Zeitgeist und Moden Empirischer Analysemethoden. Von Generation zu Generation. 8, 21-30.

Zwei Grundkonzepte

Tatsächlich gibt es in der aktuellen Diskussion eine Vielfalt von Empirie-Begriffen in der Literatur (vgl Hug, 2001).1 Allerdings lassen sich dabei grob zwei Grundkonzepte oder Strömungen unterscheiden: das Landkartenmodell und das Beobachtermodell.

Das Landkartenmodell

Beim Landkartenmodell wird von einer existierenden Wirklichkeit ausgegangen, in der der Forschungsprozess, ähnlich der Entdeckung fremder Kontinente, sukzessiv erforscht wird. Dabei ist bereits ein Teilwissen über Ausschnitte des Gebiets vorhanden, die Forschung kümmert sich um die bislang unerforschten „weißen Flecken" des Gesamtgebietes (König & Bentler, 1997, zit. nach Hug, 2001).2 Daten und Fakten der Forschung sind unabhängig (intersubjektiv) vom Wissenschaftler vorhanden; es geht darum, die an sich vorhandenen Objekte oder Teilwirklichkeiten zu entdecken, zu erklären und zu verstehen.

Das Beobachtermodell

Dem Beobachtermodell zufolge sind Daten und Fakten im Forschungs­gegenstand nicht „an sich gegeben", sondern werden erst im Licht spezifischer historischer, kultureller oder gesellschaftlicher Kontexte von einem wissenschaftlich Forschenden realisiert. Aus dieser Perspektive wird Forschen zu einer Form der Wirklichkeitskonstruktion - im Gegensatz zum Versuch des Landkartenmodells, die Wirklichkeit möglichst real und naturgetreu aufzuzeigen (vgl. Hug, 2001).3

 

  1. 1. vgl.Hug, T. (2001).  Erhebung und Auswertung empirischer Daten. Wie kommt Wissenschaft zu Wissen?. 11-29.
  2. 2. König & Bentler, 1997, zit. nachHug, T. (2001).  Erhebung und Auswertung empirischer Daten. Wie kommt Wissenschaft zu Wissen?. 11-29.
  3. 3. vgl.Hug, T. (2001).  Erhebung und Auswertung empirischer Daten. Wie kommt Wissenschaft zu Wissen?. 11-29.

Vor- & Nachteile

Vorzüge und Grenzen der empirischen Wissenschaft

Der entscheidende Vorzug der Empirie ist, dass jegliche Erkenntnis aus unmittelbar gewonnen Eindrücken abgeleitet wird. Gleiche Erfah­rungen und Gegebenheiten hinterlassen allerdings bei unterschied­lichen Menschen oft einen unterschiedlichen Eindruck. Demnach bein­halten Erfahrungen offensichtlich auch eine subjektive Komponente. Die Erfahrung mit einer Begebenheit oder einem Gegenstand wird von verschiedenen Menschen in unterschiedlicher Weise erlebt und inter­pretiert. Durch diese subjektive Komponente ergeben sich Grenzen der empirischen Wissenschaft, die es anzuerkennen gilt.

Anforderungen an empirische Wissenschaft

Im Forschungsprozess selbst sollte man deshalb mittels geeigneter Methoden eine systematische und nachvollziehbare Erfahrungssitua­tion herbeiführen und das Vorwissen des Wissenschaftlers ausreichend explizieren und offen legen. Das Erkenntnisinteresse, die Frage­stellung und der Untersuchungsprozess, also der Erkenntnisgewinn, müssen exakt dargestellt werden.

 

Zusammenfassung & weiterführende Literatur

Zusammenfassung

Vorgestellt wurde der Empiriebegriff als philosophische Strömung und als Wissenschafts- und Alltagsverständnis. Das Hauptmerkmal der empirischen Forschung liegt darin, dass alle Erkenntnisse auf ge­machte Erfahrungen zurückzuführen sind. Hierin ist der Vorteil und die Besonderheit der empirischen Forschung und zugleich die Grenze zu sehen. Das Ziel empirischer Wissenschaft ist es, die Welt zu erklären und zu beschreiben. Ein empirisch vorgehender Wissenschaftler schließt mittels Induktion vom beobachteten Einzelfall auf allgemeine Erkenntnisse. Ein Theoretiker dagegen wählt den umgekehrten Weg und nähert sich über allgemein gültige Aussagen an das Besondere an. Beide Erkenntniswege lassen sich in einem Kreismodell verbinden. Exemplarisch für eine Vielzahl der Empirie-Begriffe wurde das Land­karten- und das Beobachtermodell unterschieden. Die Grenzen quali­tativer Forschung werden durch die subjektive Komponente der Beo­bachtungen gekennzeichnet. Mittels geeigneter Methoden (Explikation des Vorwissens, exakte Dokumentationen) sollte eine systematische und nachvollziehbare Erfahrungssituation im Forschungsprozess sichergestellt werden.

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  • Atteslander, P.. (1991). Methoden der empirischen Sozialforschung (S. 16 - 18). Berlin, New York: Walter de Gruyter.

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I: 2. Grenzen der quantitativen Forschung

Quantitative Forschung

Quantitative Forschung zielt auf objektive Erkenntnisse ab, die am besten durch experimentelle Studien bzw. durch Beobachtung und Messung gewonnen werden. Ziel quantitativer Forschung ist es, ver­allgemeinernde Erklärungen und allgemeingültige Gesetzmäßigkeiten zu liefern. Dabei sollen „Phänomene in ihrer Häufigkeit und Verteilung bestimmt werden" (Flick, 1995, S. 11).1 Bei quantitativer Forschung werden subjektive Aspekte seitens des Forschers und des „Be­forschten" weitgehend ausgeklammert. Im Folgenden werden Grenzen quantitativer Sozialforschung kurz dargestellt.

  1. 1. Flick, U. (1995).  Qualitative Forschung.

Grenzen quantitativer Forschung

Eine Grenze quantitativer Forschung liegt in der globalen Betrachtung einer möglichst großen Zahl von Fällen. Individuelle Besonderheiten werden dabei zugunsten genereller Tendenzen vernachlässigt. Insge­samt zielt die quantitative Forschung darauf ab, Aussagen über bereits bestehende Strukturen zu ermöglichen, die aus durchgeführten Mes­sungen, Numerisierungen und Kategorisierungen gewonnen werden.

Forschungsfrage versus Hypothese

Die quantitative Forschung beginnt stets mit einer Hypothese, also einer aus der Fragestellung abgeleiteten Annahme, die man unmittel­bar untersuchen (operationalisieren) kann. Qualitative Forschung da­gegen kann auch mit weniger präzisierten Fragen beginnen - z.B. dann, wenn eine Studie eher explorativen Charakter hat. Es muss jedenfalls keine Hypothese im Sinne der quantitativen (oder experi­mentellen) Forschung vorliegen - wohl aber eine Forschungsfrage.

Subjektivität

Trotz aller methodischer Kontrollen ist es für die quantitative For­schung nicht möglich, sich von Interessen oder kulturellen und sozialen Hintergründen vollständig zu befreien. Bei der Formulierung von Fragestellungen und Hypothesen ist die Interpretation von Zu­sammenhängen und Daten durch den Forscher niemals völlig aus­geklammert (Flick, 1995).1 Dies bedeutet, dass bei quantitativer Forschung Subjektivität als „Störfaktor" gesehen wird. Die qualitative Forschung dagegen berücksichtigt genau diese subjektive Perspektive als wichtigen Bestandteil des Forschungsprozesses.

 

  1. 1. Flick, U. (1995).  Qualitative Forschung.

Zusammenfassung & weiterführende Literatur

Zusammenfassung

Infoblock 2 zeigt die Grenzen quantitativer Forschung auf: Während quantitative Forschung auf umfassende Erkenntnisse abzielt, beschäftigt sich qualitative Forschung gezielt mit Einzelphänomenen. Ein weiterer begrenzender Faktor stellt die Subjektivität des Forschers und des Forschungsgegenstandes dar.

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  • Diekmann, A. (2004). Empirische Sozialforschung. Grundlagen, Methoden, Anwendungen. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt.

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I: 3. Geschichte qualitativen Denkens und der qualitativen Forschung

Qualitatives Denken

Qualitative Sozialforschung sucht den Sinn der Dinge, deren inneres Wesen, zu erfassen und zu verstehen. Die Wurzeln dieser qualitativen Denktradition reichen bis zu Aristoteles zurück, der als der Urvater qualitativen Denkens bezeichnet wird. Auch Gianbattista Vico gilt als ein Vorläufer der qualitativen Denkweise. Ein ganzer wissenschaft­licher Strang qualitativer Denktradition ist zudem in der Hermeneutik und deren zahlreichen Vertreter von Spinoza bis Dilthey zu finden. Grundsätzlich lassen sich zwei Traditionen in der qualitativen Denk­weise unterscheiden: die galileische und die aristotelische Tradition.

Derzeitige Position der qualitativen Forschung

In der geschichtlichen Entwicklung der qualitativen Forschung kam es bereits in den Anfängen des 20. Jahrhunderts in Deutschland zu ersten Studien. Nach Diskussionen bezüglich der qualitativen Forschung in den 1970er Jahren folgte eine Entwicklung eigener Methoden in der qualitativen Forschung, die schließlich zu einer Konsolidierung von Verfahrensfragen führte. Seit den 1980er Jahren gehört die qualitative Forschung zum festen Bestandteil der empirischen Sozialforschung (Flick, 2002, S. 26).1

  1. 1. Flick, U. (2002).  Qualitative Sozialforschung. Eine Einführung.

Wurzeln qualitativen Denkens

Aristoteles

Während sich die Denktradition nach Galileo Galilei (1564 - 1642) ganz auf die allgemeinen Naturgesetze stützt und sich auch bei Descartes (1596 - 1650) diese Gedanken finden, sucht Aristoteles (384 - 322 v. Chr.) den Sinn, die innere Bedeutung der Dinge zu erfassen. So lässt sich das Wissenschaftsverhältnis nach Aristoteles durch folgende Sichtweise beschreiben: Alle Forschungsgegenstände sind historischen Gegebenheiten ausgesetzt, unter denen sie Ver­änderungen und Entwicklungen durchlaufen. Aristoteles nennt dies das Werden und Vergehen.

Grundlage für Einzelfallanalysen

Nach Aristoteles sind auch Werturteile in einer wissenschaftlichen Analyse möglich. Sowohl die deduktive Herangehensweise, also die Ableitung des Besonderen aus dem Allgemeinen, als auch die In­duktion sind im aristotelischen Wissenschaftsverständnis erlaubt. Nur durch die Akzeptanz des induktiven Vorgehens, also des Schließens vom Besonderen auf das Allgemeine, ist die Grundlage für sinnvolle Einzelfallanalysen gegeben (vgl. Mayring, 2002).1 Mit Aristoteles wird deutlich, dass die Erforschung des Menschen bzw. der menschlichen Seele nur über qualitative Vorgehensweisen möglich ist. Andere Vor­gehensweisen sind dabei weder zielführend noch ausreichend, aber durchaus zur Ergänzung (im Sinne einer Verschränkung oder Misch­form der qualitativen und quantitativen Forschung) einsetzbar.

Vico

Ebenfalls als Vorläufer des qualitativen Denkens ist Gianbattista Vico (1668 - 1744) zu nennen. Vico geht davon aus, dass das Praktisch-Wahre keine allgemeine (universale) Gültigkeit besitzt und sich auch nicht aus „ersten Wahrheiten" deduzieren lässt. Darüber hinaus gelten räumliche und zeitliche Einschränkungen; das Handeln hängt von wechselnden und unbegrenzten Handlungszusammenhängen ab. Vico formuliert 1725 das Programm einer „neuen Wissenschaft", in dem er die Grundlagen für ein geisteswissenschaftliches, verstehendes, histo­risches und auf den Einzelfall orientiertes Denken vorstellt. Dieses Denken zielt nicht auf die Formulierung gültiger Naturgesetze ab, sondern auf die Differenzierung spezifischer praktischer Regeln.

Hermeneutik

Als eine weitere Wurzel für das qualitative Denken und damit auch für die qualitative Sozialforschung ist die Hermeneutik anzuführen. Die „Kunst der Auslegung" findet man beispielsweise in der Theologie (Auslegung der heiligen Schrift) und in der Rechtswissenschaft (Inter­pretation von Gesetzestexten). In der Hermeneutik geht man davon aus, dass alles was von Menschen hervorgebracht wird (Texte, Musik, Kunstgegenstände, Filme etc.) immer mit subjektiven Bedeutungs­mustern und subjektiven Sinnkonstruktionen verbunden ist. Eine reine Betrachtung von außen führt daher nicht zu einem Verstehen des Gegenstandes. Nur über die Interpretation lässt sich der subjektive Sinn Stück für Stück im Forschungsprozess erschließen. „Das Verstehen und Deuten ist die Methode, welche die Geisteswissenschaft erfüllt. Alle Funktionen vereinigen sich in ihm. Es enthält alle geis­teswissenschaftlichen Wahrheiten in sich. An jedem Punkt öffnet das Verstehen eine Welt" (Dilthey, 1985, zit. nach Mayring, 2002, S. 14).2

 

  1. 1. Mayring, P. (2002).  Einführung in die qualitative Sozialforschung.
  2. 2. Dilthey, 1985, zit. nach Mayring, P. (2002).  Einführung in die qualitative Sozialforschung.

Zusammenfassung & weiterführende Literatur

Zusammenfassung

Qualitatives Denken ist keine neue Erfindung, sondern reicht weit in die Geschichte zurück. Die Wurzeln des qualitativen Denkens zeichnen sich insgesamt durch ein geisteswissenschaftliches, verstehendes, historisches, einzelfallorientiertes und differenzierendes Denken aus. Ausgehend von Aristoteles sind diese Merkmale auch bei Vico und den Vertretern der Hermeneutik zu finden.

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  • Wenturis, N. (1992). Methodologie der Sozialwissenschaften. Tübingen: Francke.

 

 

I: 4. Grundlagen qualitativen Denkens und Forschens

Grundlagen qualitativen Denkens

Aus den qualitativen Forschungsansätzen nach Mayring (2002)1 lassen sich fünf Postulate ableiten, welche die Grundlagen der qualitativen Denkweise auf einen gemeinsamen Nenner bringen und das Grund­gerüst qualitativen Denkens darstellen. Nach Mayring sollen diese Postulate zu einem verstärkten Einsatz qualitativen Denkens im Forschungs- und Erkenntnisprozess beitragen.

Postulat 1: Subjekt

Der Forschungsgegenstand der Sozialwissenschaften ist immer der Mensch als Subjekt. Das Untersuchungsvorhaben muss seinen Ausgangspunkt und sein Ziel bei den betroffenen Personen haben. Ein direkter und offener Zugang zu den von der Forschung betroffenen Personen ist die beste Garantie, um mögliche Abweichungen vom Subjekt sofort zu bemerken. Die Subjektorientierung ist eine zentrale Forderung qualitativen Denkens.

Postulat 2: Deskription

Vor der Analyse und/oder Erklärung eines Forschungsgegenstandes sollte dieser immer erst genau und umfassend beschrieben werden (Deskription). Auf diesem Wege wird auch der Kontext der Forschung dargestellt.

Postulat 3: Interpretation

Ein Untersuchungsgegenstand ist nie völlig offengelegt, wenn er nicht auch interpretiert wird. Diese Interpretationsleistung steht in einem engen Zusammenhang mit dem hermeneutischen Sinnverstehen. Die tiefere Bedeutung eines Forschungsbereichs wird also erst durch eine Interpretation erschlossen.

Postulat 4: Alltag

Ausgehend von der Erkenntnis, dass Menschen in konstruierten und im Labor stattfindenden Versuchssituationen anders reagieren als in ihrer täglichen Lebenssituation, sollten Untersuchungen in weitgehend natürlichen Arbeits- oder Alltagssituationen erfolgen. Allerdings bringt selbst dieser Zugang Verzerrungen mit sich. Die natürliche Situation ist dadurch gegeben, das z.B. ein Interview in der Wohnung des Interviewpartners stattfindet. Wird das Interview allerdings auf Video aufgezeichnet, so kann die ungewohnte Anwesenheit der Kamera den Befragten in seinen Äußerungen hemmen oder einschüchtern.

Postulat 5: Verallgemeinerungsprozess

Der Verallgemeinerungsprozess im Anschluss an eine Untersuchung, in der von erarbeiteten Ergebnissen auf allgemeine Erkenntnisse geschlossen wird, muss argumentativ begründet werden; d.h. es muss erörtert werden, warum diese Ergebnisse auch für andere Situationen und Zeiten gelten sollen. Oder es muss deutlich gemacht werden, in welchem Fall, für welche Situation und in welcher Zeit die Ergebnisse Gültigkeit besitzen.

 

  1. 1. Mayring, P. (2002).  Einführung in die qualitative Sozialforschung.

13 Säulen des qualitativen Denkens

Um diese Postulate zu konkretisieren und für den Forschungsprozess handhabbar zu machen, erweitert Mayring (2002)1 die fünf Postulate der Theorieebene zu 13 Säulen qualitativer Forschung. Diese lauten wie folgt:

(1) Einzelfallbezogenheit

Ergebnisse und Verfahrensweisen können sich von einzelnen Fällen wegbewegen, sie müssen aber immer wieder auf Einzelfälle bezogen werden. Dies sollte auch bei größeren Stichproben geschehen; an ihnen wird immer wieder die Adäquatheit der Verfahrensweisen und die Ergebnisinterpretation überprüft. Einzelfallanalysen können eigene Fragestellungen verfolgen. Es können anhand einzelner Fälle Theorien widerlegt, Alternativerklärungen verglichen und Interaktions- und Kontextannahmen überprüft werden.

(2) Offenheit

Falls der Gegenstand der Forschung eine Neufassung, Ergänzung oder gar Revision erfordert (bezogen auf theoretische Strukturierung, Fragestellungen oder Methoden), so muss dies möglich sein. Der For­schungsprozess sollte also dem Gegenstand gegenüber so offen ge­halten werden, dass notwendige Änderungen problemlos möglich sind.

(3) Methodenkontrolle

Um das Ergebnis nachvollziehbar zu machen, muss man den Weg, der zum Ergebnis geführt hat, offen legen. Das Vorgehen muss zum einen expliziert werden und zum anderen begründeten Regeln folgen. Dabei gilt: Je offener das Verfahren, desto genauer muss jeder einzelne Schritt des Vorgehens im Forschungsprozess beschrieben werden. Offene Verfahren werden abgesichert, indem sie nach einer syste­matischen Prozedur ablaufen.

(4) Vorverständnis

Humanwissenschaftliche Gegenstände müssen immer interpretiert werden, wobei diese Interpretationen nie voraussetzungslos möglich sind. Das Vorverständnis des Forschers beeinflusst die Analyse. Um den Einfluss des Vorverständnisses auf den Forschungsprozess über­prüfbar zu machen, ist die Offenlegung des Vorverständnisses notwendig; erst danach kann es sich am Forschungsgegenstand selbst weiterentwickeln und überprüfbar sein. Dieses Vorgehen ist als „hermeneutischer Zirkel" oder „hermeneutische Spirale" bekannt.

(5) Introspektion

Introspektion bedeutet die Analyse des eigenen Denkens, Fühlens und Handelns. Die Anerkennung introspektiver Daten ist ein möglicher Zugang zu bestimmten Phänomenen, wird aber bezüglich seiner Gültigkeit für die Forschung als wissenschaftliche Methode kontrovers diskutiert. In der qualitativen Sozialforschung ist die Introspektion unerlässlich, da sonst die Explikation des Vorverständnisses und die Interpretation eines Gegenstandes nicht möglich wären. Bei der Analyse werden auch introspektive Daten als Informationsquelle zugelassen. Sie müssen jedoch als solche ausgewiesen, begründet und überprüft werden.

(6) Forscher-Gegenstands-Interaktion

Forscher und Forschungsgegenstand verändern sich durch den For­schungsprozess, der als Interaktion zu begreifen ist. In der So­zialforschung handelt es sich um auf Forschung reagierende, sich verändernde Subjekte. Daten gewinnt man nur durch Kommunika­tionsprozesse, die immer auch subjektive Deutungen sind und in Dia­logform ablaufen.

(7) Ganzheit

Eine analytische Trennung in menschliche Funktions- bzw. Lebens­bereiche kann während eines Forschungsprozesses sinnvoll sein, sie muss aber immer wieder zusammengeführt und in einer ganzheit­lichen Betrachtung interpretiert und korrigiert werden. Die einzelnen menschlichen Funktionsbereiche (Denken, Fühlen, Handeln) und Le­bensbereiche (Gesellschaft, Beruf, Familie, Freundeskreis) sind nur als analytische Differenzierungen zu betrachten, die stets auf das Ganze zurückbezogen werden müssen.

(8) Historizität

Humanwissenschaftliche Gegenstände haben eine Geschichte und können sich verändern. Um einem Gegenstand gerecht zu werden, muss dieser nach dem qualitativen Denkmuster immer auch historisch betrachtet werden. Verallgemeinerungen, die historische Kontexte ganz oder teilweise ausblenden, müssen sorgfältig überprüft werden, um keine Fehldeutungen zu leisten.

(9) Problemorientierung

Humanwissenschaftliche Untersuchungen sollen direkt an praktischen Problemstellungen des Forschungsbereichs ansetzen und schließlich deren Ergebnisse auch wieder auf diese Praxis beziehen.

(10) Argumentative Verallgemeinerung

Bei der Verallgemeinerung der Ergebnisse humanwissenschaftlicher Forschung muss expliziert und begründet werden, welche Ergebnisse auf welche Situationen, Bereiche und Zeiten generalisiert werden können.

(11) Induktion

Im qualitativen Denken wird induktives Vorgehen explizit eingesetzt, um zu Ergebnissen zu gelangen. Die Ergebnisse sind aufgrund der Offenlegung des Forschungsprozesses überprüfbar und kontrollierbar. In sozialwissenschaftlichen Untersuchungen spielen induktive Verfah­ren zur Stützung und Verallgemeinerung der Ergebnisse eine zentrale Rolle.

(12) Regelbegriff

Anders als die Naturgesetze in den Naturwissenschaften wird das menschliche Denken, Fühlen und Handeln vom Menschen selbst hervorgerufen. Dabei sind unterschiedliche oder gegensätzliche Be­wertungen von Empfindungen durchaus möglich und wahrscheinlich, auch wenn sich dabei gewisse Regelmäßigkeiten erkennen lassen. Im humanwissenschaftlichen Gegenstandsbereich werden daher Gleich­förmigkeiten nicht mit allgemeingültigen Gesetzen, sondern besser mit kontextgebundenen Regeln abgebildet.

(13) Quantifizierbarkeit

Qualitativ orientierte Untersuchungen können die Voraussetzung darstellen für sinnvolle Quantifizierungen der Ergebnisse. Mit der Quantifizierung kann ein Schritt zur Absicherung und Verallgemeiner­barkeit der Ergebnisse geschaffen werden.

 

  1. 1. Mayring, P. (2002).  Einführung in die qualitative Sozialforschung.

Zusammenfassung & weiterführende Literatur

Zusammenfassung

Die aufgezeigten fünf Postulate der qualitativen Forschung sind folgende: Subjekt, Deskription, Interpretation, Alltag und Verallgemei­nerungsprozess. Diese fünf Postulate spiegeln die Grundlagen des qualitativen Denkens wieder. Um dieses Grundgerüst auch praktisch in die qualitative Forschung mit einbeziehen zu können, erweitert Mayring diese fünf Postulate und formuliert daraus die 13 Säulen qualitativen Denkens. Diese sollen im Forschungsprozess konkret handhabbar sein und gewährleisten, dass das qualitative Denken verstärkt in den Forschungs- und Erkenntnisprozess einfließt.

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  • Mayring, P. (2002). Einführung in die qualitative Sozialforschung (S. 19 - 39). Weinheim: Beltz.

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I: 5. Gütekriterien der qualitativen Forschung

Bedeutung von Gütekriterien in der qualitativen Forschung

Um empirische Untersuchungen zu einem sinnvollen Abschluss zu bringen, wird die Qualität der Forschungsergebnisse insbesondere in qualitativ angelegten Forschungsprojekten mittels Gütekriterien abge­sichert. Die Gütekriterien müssen den Methoden angemessen sein.

Sechs allgemeine Gütekriterien

Aus den methodenspezifischen Gütekriterien lassen sich deutlich Überschneidungen erkennen, die sich in folgenden sechs allgemeinen Gütekriterien qualitativer Forschung zusammenfassen lassen: Ver­fahrensdokumentation, argumentative Interpretationsabsicherung, Regelgeleitetheit, Nähe zum Gegenstand, kommunikative Validierung, Triangulation. Diese sechs allgemeinen Gütekriterien werden im Folgenden näher erläutert (Mayring, 2002).

 

Verfahrensdokumentation

Ergebnisse ohne die Dokumentation, wie diese Ergebnisse gewonnen worden sind, sind aus wissenschaftlicher Sicht wertlos. Da in quan­titativer Forschung Techniken und Messinstrumente standardisiert vorgegeben sind, reicht meist der Hinweis auf die angewendete Technik und die genutzten Messinstrumente aus. In der qualitativen Forschung ist das Verfahren direkt auf den jeweiligen Gegenstand bezogen. Um also zu Ergebnissen zu kommen, werden teils eigene Methoden speziell für die Untersuchung entwickelt oder Methoden miteinander kombiniert. Um wissenschaftliche Ansprüche zu erfüllen, muss die angewandte Vorgehensweise im Detail dokumentiert wer­den, damit der Forschungsprozess für andere nachvollziehbar ist. Dokumentiert werden muss das Vorverständnis, die Zusammen­stellung des Analyseinstrumentariums und die praktische Umsetzung der Datenerhebung und -auswertung.

 

Argumentative Interpretationsabsicherung

Es wurde bereits mehrfach auf die Bedeutung der Interpretation im qualitativen Forschungsprozess hingewiesen. Der Zugang zum For­schungsgegenstand erfolgt über die Interpretation des Forschers. Anders als z.B. mathematische Lösungen lassen sich Interpretationen im engeren Sinn nicht überprüfen. Um die im Forschungsprozess angestellten Interpretationen dennoch bezüglich ihrer Qualität ein­schätzen zu können, gilt in der qualitativen Forschung folgende Regel: Interpretationen werden nicht gesetzt, sondern müssen argumentativ begründet werden. Bei der argumentativen Begründung muss zu­nächst das Vorverständnis adäquat mit der jeweiligen Interpretation übereinstimmen, damit deren Deutung theoriegeleitet ist. Des Weiteren muss die Interpretation in sich selbst schlüssig sein, mögliche Brüche müssen erklärt werden. Alternativdeutungen und deren Überprüfung tragen zu einer argumentativen Interpreta­tionsabsicherung bei. Auch Widerlegungen oder Negativdeutungen können die Interpretation absichern und zu deren Geltungsbegrün­dung beitragen.

Regelgeleitetheit

Die Offenheit und Variationsmöglichkeiten in der qualitativ orientierten Forschung dürfen weder willkürlich noch unsystematisch umgesetzt werden. Qualitative Forschung muss sich an bestimmte Vorgehens­weisen, Regeln und an ein systematisches Vorgehen halten. Für die Analyse bedeutet das, einzelne Analyseeinheiten festzulegen, die systematisch und schrittweise bearbeitet werden. Die Dokumentation dieser regelgeleiteten Vorgehensweise lässt sich über Ablauf- oder Prozessmodelle, welche den Forschungsprozess aufzeigen, sinnvoll erfüllen. Die Zerlegung des Gesamtprozesses in Einzelschritte ermög­licht das systematische Vorgehen. Entscheidend bei dem Vorgehen ist nicht, dass die vorgegebenen Regeln und Analyseeinheiten starr bei­behalten werden; wenn die Untersuchung eine Anpassung der Regeln, erfordert, so ist dies zu tun und zu dokumentieren.

Nähe zum Gegenstand

Eigentlich gilt für jede Art von Forschung der Grundgedanke, dass eine Nähe zum Gegenstand und damit eine Gegenstandsangemessenheit gegeben ist. Qualitative Forschung erfüllt diesen Anspruch, indem sie direkt in der Alltagswelt der untersuchten Personen ansetzt. Anstatt die „Forschungssubjekte" in ein Labor zu holen, begibt sich der Forscher selbst vor Ort in das natürliche Lebensfeld der Personen. Die gemeinsame Arbeit zwischen Forscher und Forschungssubjekt beruht auf einem gegenseitigen und offenen Verhältnis. Der Forscher legt seine Absichten offen und setzt nicht auf „Täuschung" der Personen, wie das z.B. bei Experimenten der Fall ist. Der Forscher und die beforschten Personen verfolgen ein gemeinsames Interesse, wodurch eine größtmögliche Nähe zum Gegenstand erreicht wird. Zum Abschluss einer Untersuchung ist immer noch einmal zu prüfen, inwieweit es gelungen ist, Forschung für die Betroffenen zu machen.

Kommunikative Validierung

Eine Möglichkeit, die Gültigkeit von Ergebnissen zu überprüfen, liegt in der kommunikativen Validierung. Damit ist die Rückspiegelung der Ergebnisse an die Betroffenen selbst gemeint. Die Ergebnisse werden überprüft, indem Forscher und Beforschter gemeinsam über die Er­gebnisse diskutieren. Bestätigen die Beforschten die erarbeiteten Ergebnisse und finden sich selbst darin wieder, kann man davon ausgehen, dass diese Ergebnisse eine gewisse Gültigkeit besitzen. Allerdings darf keine Analyse an dieser Stelle stehen bleiben, da sonst die subjektiven Bedeutungskonstruktionen der Befragten als allge­meingültig gelten würden. Weitere und ergänzende Interpretationen sind also wichtig. Die kommunikative Validierung macht deutlich, welche Rolle die beforschten Personen in diesem Kontext erhalten: Sie sind nicht nur Versuchsobjekte oder Datenlieferanten, sondern werden als Kompetenzträger und denkende Subjekte auf eine Ebene mit dem Forscher gestellt. Die Arbeit findet gemeinsam und im Dialog statt, aus dem wiederum wichtige Erkenntnisse zur Interpretation und Absicherung der Ergebnisse gewonnen werden können.

Triangulation

Durch die Verbindung mehrerer Analyseschritte kann die Qualität der qualitativen Forschung verbessert werden. „Triangulation meint immer, dass man versucht, für die Fragestellung unterschiedliche Lösungswege zu finden und die Ergebnisse zu vergleichen" (Mayring, 2002, S. 147)1. Es können also verschiedene Datenquellen verglichen werden, unterschiedliche Autoren, Meinungen, Theorieansätze oder Methoden, um zu möglichen Lösungen zu kommen. Das Ziel dabei ist nicht die Übereinstimmung, sondern die Möglichkeit, Stärken und Schwächen der jeweiligen Analysewege aufzuzeigen. Dabei ist die Ver­bindung von qualitativen und quantitativen Analyseverfahren möglich.

  1. 1. Mayring, P. (2002).  Einführung in die qualitative Sozialforschung.

Zusammenfassung & weiterführende Literatur

Zusammenfassung

Es lassen sich nicht für alle Forschungsvorhaben allgemeingültige Kriterien oder Maßstäbe definieren. Im Gegenteil. Die Maßstäbe müssen zum Vorgehen und dem angestrebten Ziel der Forschung passen, was wiederum flexible und in Prozessen der Begründung und Diskussion erarbeitete Kriterien verlangt. Dabei kommen sechs all­gemeine Gütekriterien zum Einsatz, nämlich die Verfahrensdoku­mentation, die argumentative Interpretationsabsicherung, die Regel­geleitetheit, die Nähe zum Gegenstand, die kommunikative Vali­dierung und die Triangulation. Bei der Entwicklung von qualitativen Forschungsdesigns sind diese ernst zu nehmen und zu beherzigen. Alle 6 Kriterien sollen einen Beitrag zur Absicherung des For­schungsvorhabens und dessen Ergebnis leisten.

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