IV: 5. Design-Based Research

Allgemeine Informationen

Enstehung

Design-Based Research (DBR) entstand im Kontext der Lehr-/Lern­forschung: Die Erforschung von Lehren und Lernen mit quantitativen Methoden (vor allem Experimente und Korrelationsstudien) kommt immer dann an seine Grenzen, wenn zu viele Variablen eine kontrol­lierte Untersuchung nahezu unmöglich machen. DBR ist innerhalb der Lehr-/Lernforschung entstanden, weshalb sich dort auch die meisten Begründungen finden; DBR ist aber nicht auf diese Domäne beschränkt. Ziel von DBR ist es, wissenschaftliche und praktische Maßnahmen miteinander zu verbinden, also z.B. Lernumgebungen zu entwickeln und dabei gleichzeitig einen Fortschritt in der Theoriebildung zu erzielen. Der Begriff „Design" soll zum Ausdruck bringen, dass auch der Akt der Gestaltung und Entwicklung von Maßnahmen - wenn er denn auf der Basis bestehender theoretischer und empirischer Erkenntnisse erfolgt - bereits ein Akt der Wissenschaft ist.

Beschreibung

Ähnlich wie die Evaluationsforschung nutzt der DBR einen Methoden-Mix, um das Ergebnis einer Maßnahme zu analysieren und zu verbes­sern. Wichtig dabei ist, dass der Kontext, in dem eine Maßnahme zum Einsatz kommt, ebenfalls Gegenstand der Untersu­chung ist, weil man davon ausgeht, das Kontext und Maßnahmen nur zusammen (in ihrer Interaktion) für beobachtbare Ergebnisse verant­wortlich sind. Die besondere Berücksichtigung des Kontexts soll nicht nur zu einem besseren Verständnis einer Maßnahme und deren Imple­mentationsmöglichkeiten führen, sondern zusätzlich zu besseren theo­retischen Erkenntnissen (hier: über Lehren und Lernen) führen. Eine weitere Abgrenzung zur Evaluationsforschung besteht darin, dass DBR über eine reine Perfektion einer Maßnahme hinausgeht; das wissen­schaftliche Erkenntnisinteresse ist also größer. Bevor DBR mit seinen Untersuchungen beginnt, werden die verfügbare Literatur und bekann­ten Erkenntnisse untersucht und auf Lücken geprüft, um den Wert der Forschungsbemühung zu sichern. Dieses theoriegestützte Vorgehen ist ein wichtiger Grund, um DBR von bloßer Evaluation abzugrenzen.

Einsatzfeld

Für das Design-Based Research Collective (2003, S. 8)1 gibt es vier Bereiche, in denen DBR besonders fruchtbar eingesetzt werden kann:

  • Erkundung von Möglichkeiten für neuartige Lern-/Lehrarrange­ments,
  • Entwicklung kontextualisierter Theorien über Lehren und Lernen,
  • Sammlung von Erkenntnissen zur Konstruktion von Gestaltungs­prinzipien,
  • Erhöhung der Innovationsleistung, denn: DBR fördert die Zusam­menarbeit über disziplinäre Grenzen hinweg und betont die Zusam­menarbeit von Forschern und Praktikern. Diese Partnerschaften, zusammen mit dem Anspruch, Maßnahmen umfassend zu untersuchen und zu gestalten, führen zu einer Vielfalt an Lösungen.

Ähnliche Ansätze

Unter DBR werden ähnliche Forschungsansätze zusammengefasst, die teilweise unterschiedliche Foki haben, aber in ihren wesentlichen Ideen übereinstimmen. Diese Ansätze sind (Wang & Hannafin, 2004, S. 1f)2:

  • Design Experiments
  • Design Research
  • Development research oder Developmental Research
  • Action Research (Aktionsforschung bzw. Handlungsforschung)

 

  1. 1. Collective, T. D. - B. R. (2003).  Design-Based Research: An Emerging Paradigm for Educational Inquiry.. 5-8.
  2. 2. Wang, F., & Hannafin M. J. (2004).  Using design-based research in design and research of technology-enhanced learning environments.. Annual Meeting of the American Educational Research Association.

Merkmale & Umsetzungshinweise

Kernmerkmale von DBR

Das Design-Based Research Collective (2003)1 nennt folgende zentralen  Merkmale von DBR (siehe auch Wang & Hannafin, 2004)2:

  • Die beiden Ziele „Gestaltung von Lernarrangements" und „Entwick­lung von Theorien" sind eng miteinander verknüpft.
  • Entwicklung und Forschung finden zusammen in einem kontinu­ierlichen Kreislauf von Gestaltung, Umsetzung/Durchführung, Über­prüfung und Überarbeitung statt.
  • DBR führt zu Theorien, die Praktikern relevante Folgerungen er­möglichen. Das heißt: Die Ergebnisse der Forschung sollen daran gemessen werden, inwieweit sie für die Praxis von Interesse sind und inwieweit sie die Praxis verbessern können.
  • DBR darf nicht nur Erfolg/Misserfolg einer Maßnahme dokumentie­ren. Sie muss auch klären, wie ein Design in der Praxis wirkt und dabei Interaktionen zwischen Elementen der Maßnahme und des Kontexts berücksichtigen.
  • DBR sieht einen engen Zusammenhang zwischen Kontext und Maß­nahme. Deshalb sollen die Prozesse der Durchführung dokumentiert und mit den Ergebnissen verknüpft werden.

Zyklischer Ablauf

DBR ist eine Forschungsstrategie, die die (pädagogische) Praxis ver­bessern soll. Sie bedient sich eines systematischen und wiederholten, kreislaufförmigen (zyklischen) Einsatzes von Gestaltung (design), Um­setzung/Durchführung meist im Feld (enactment), Überprüfung (ana­lysis) und Überarbeitung (redesign), wobei Forschung und Entwicklung gleichzeitig stattfinden. Sie basiert auf theoriegeleiteter Gestaltung, enger Kooperation mit Praktikern, Arbeit in realen Feldern und führt zu spezifischen (local) Gestaltungsgrundsätzen und verallgemeinerbaren (global) Theorien (vgl. Wang & Hannafin, 2004, S.2). Innerhalb dieses Kreislaufs wird eine Theorie schrittweise aufgestellt und zunehmend ergänzt. Grundlage hierfür sind nicht nur die gesammelten Daten, sondern auch die Erfahrungen aus der Implementation.

Forschungsergebnisse

Der tatsächliche Forschungsprozess, die gewonnenen Erkenntnisse und Abweichungen vom ursprünglichen Forschungsplan werden genau dokumentiert. So können andere Forscher nicht nur nachvollziehen, wie die Erkenntnisse bzw. Innovationen zustande kamen, sondern auch unter welchen Bedingungen. Auch die Gründe, aus denen von einem Forschungsplan abgewichen wurde, sollen als relevante Erkenntnis aufgefasst werden.

 

  1. 1. Collective, T. D. - B. R. (2003).  Design-Based Research: An Emerging Paradigm for Educational Inquiry.. 5-8.
  2. 2. Wang, F., & Hannafin M. J. (2004).  Using design-based research in design and research of technology-enhanced learning environments.. Annual Meeting of the American Educational Research Association.

Zusammenfassung & weiterführende Literatur

Zusammenfassung

Im Vordergrund von DBR steht ursprünglich die theoriegeleitete Ge­staltung von Lernarrangements und die Gewinnung und Verfeinerung sowohl von Gestaltungsprinzipien als auch von Theorien. DBR ist jedoch nicht auf Lernen beschränkt. Ziel ist die Verknüpfung prak­tischer Verbesserungen und verallgemeinerbarer theoretischer Aus­sagen. DBR geht über das Erkenntnisinteresse von Ansätzen wie z.B. der Evaluation hinaus, indem Kontextbezug und Theorieentwicklung betont werden. Dabei sollen zusätzlich zur Beschreibung oder Kontrolle des Kontextes Verflechtungen und Interaktionen erfasst und analysiert werden, um die Wirkung von Maßnahmen besser verstehen zu können. Ähnlich wie bei der Handlungsforschung achtet man im DBR auf eine enge Zusammenarbeit mit Praktikern und auf eine Generierung praktisch relevanten Wissens.

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