I: 1. Der Empiriebegriff

Allgemeine Informationen

Definition von Empirie

Der Begriff Empirie (griech. empeiria = Erfahrung) bezeichnet sowohl eine philosophische Strömung (Empirismus) als auch ein bestimmtes Alltags- und Wissenschaftsverständnis. Dabei werden in der Empirie und im Empirismus alle Erkenntnisse allein auf die Beobachtung, also auf gemachte Erfahrungen zurückgeführt. Im Kern gibt es keinen grundlegenden Unterschied zwischen alltäglicher und wissenschaft­licher Erfahrung (Komrey, 2000).1 Unterschiede aber gibt es in der Systematik und in der Zielsetzung: Die Alltagserfahrung ist eher situ­ationsorientiert und zielt meist auf konkretes Handeln ab. Zudem sammelt man Erfahrungen im Alltag eher unsystematisch und Alltags­erlebnisse (Alltagstheorien) bleiben meist implizit. Wissenschaftliche Erfahrung dagegen ist erkenntnisorientiert und zielt auf Verallgemei­nerungen ab, die z.B. durch Abstraktion oder Induktion gewonnen werden. Das Vorgehen, Erfahrungen zu sammeln, unterliegt strengen Regeln. Die durch wissenschaftliche Erfahrungen entstandenen Theo­rien werden grundsätzlich expliziert (vgl. Schubert & Klein, 2001).2

Empiriker

Bekannte Empiristen (oder Empiriker) und Philosophen, die den Empi­rismus in der Antike vertraten, waren Aristoteles und Epikur. In der Neuzeit lassen sich unter anderem folgende Personen als Empiriker bezeichnen: Francis Bacon, Thomas Hobbes, John Locke, George Berkeley, David Hume und John Stuart Mill.

Empirische Wissenschaft

Nach Früh (2001)3 ist die empirische Wissenschaft die systematische und intersubjektiv nachvollziehbare Sammlung, Kritik und Kontrolle von Erfahrungen, womit die Kernelemente noch einmal zusammenge­fasst sind. Empirie ist also der wissenschaftliche Begriff für Forschung im Gegensatz zum rein theoretischen Vorgehen.

Ziel empirischer Wissenschaften

Empirische Wissenschaften machen Aussagen über die Realität, indem sie aus der Beobachtung heraus Theorien ableiten und diese dann wiederum etwa durch Beobachtungen oder Experimente überprüfen. Empirische Wissenschaften wollen Aussagen über die Realität erhalten. Der Erkenntnisgewinn liegt jeder Wissenschaft als Zielset­zung zugrunde. Wissenschaften benötigen stets Theorien (Beschrei­bungen und Erklärungen), Empirie (Tatsachen, Beobachtungen) und Kommunikation (die intersubjektive Überprüfung). Wissenschaftliche Vorgehensweisen zum Erkenntnisgewinn sind dennoch nicht einheit­lich, sondern vielseitig. Insbesondere geht der Empiriker anders vor als der Theoretiker (Stangl 2004).4 „Empirische Wissenschaft soll nicht Glaubenssicherheit vermitteln, sondern die Welt, - so wie sie ist - beschreiben und erklären, soll die Augen für den kritischen Blick auf die Realität öffnen."(Komrey, 2000, S. 15) 5

 

  1. 1. Kromrey, H. (2000).  Empirische Sozialforschung.
  2. 2. Schubert, K., & Klein M. (2006).  Empirie, empirisch, Empirismus.. Das Politiklexikon.
  3. 3. Früh, W. (2001).  Inhaltsanalyse. Theorie und Praxis.
  4. 4. Stangl, W. (2004).  Grundbegriffe des Empirismus.
  5. 5. Kromrey, H. (2000).  Empirische Sozialforschung.