II: Exkurs: Störquellen bei reaktiven Erhebungsmethoden

Reaktive Verfahren

Interviews und Gruppendiskussionen sind so genannte reaktive Verfahren, denn: die untersuchten Personen sind direkt mit dem Forscher konfrontiert und reagieren auf seine Anwesenheit. Daraus können sich Störquellen für die Datenerhebung ergeben. Einige dieser Probleme (z.B. soziale Erwünschtheit) treten auch bei der schriftlichen Befragung auf.

Die folgende Grafik nimmt eine grobe Zuordnung der vorgestellten Methoden hinsichtlich ihrer Reaktivität vor. Dies lässt allerdings kein Urteil bezüglich der generellen Qualität einer Methode zu.

Grafik Störquellen

Störquellen

Als die am meisten genannten Antwortverzerrungen gelten die Zustim­mungstendenz und Antworten in Richtung sozialer Erwünschtheit. Wichtige andere Verzerrungseffekte können als Spezialfälle dieser bei­den Effekte verstanden werden.

  • Unter der Zustimmungstendenz wird die Zustimmung zu einer Frage ohne Bezug zum Inhalt der Frage verstanden. Dies kann sich z.B. dadurch zeigen, dass von einem Befragten zwei Fragen mit genau entgegen gesetzten Inhalten mit Ja beantwortet werden.
  • Antworten, die der sozialen Erwünschtheit entsprechen, erfolgen beispielsweise bei Fragen nach Konsum von Suchtmitteln. Häufig verbirgt sich dahinter ein Bedürfnis nach sozialer Anerkennung, oder der Befragte hat Angst davor, seine wirkliche Meinung unge­schminkt offen zu legen. Die Anwesenheit Dritter kann einen Effekt in diese Richtung beim Befragten auslösen (Schnell, Hill & Esser, 1992, S. 302, S. 363)1.

 

  1. 1. Schnell, R., Hill R. B., & Esser E. (1992).  Methoden der empirischen Sozialforscung.