IV: 2. Handlungsforschung

Allgemeine Informationen

Beschreibung

Mit Lewins eigenen Worten heißt das: „Die für die soziale Praxis erforderliche Forschung lässt sich am besten als eine Forschung im Dienste sozialer Unternehmungen oder sozialer Technik kennzeichnen. Sie ist eine Art Tat-Forschung (action research), eine vergleichende Erforschung der Bedingungen und Wirkungen verschiedener Formen des sozialen Handelns und eine zu sozialem Handeln führende Forschung. Eine Forschung, die nichts anderes als Bücher hervor­bringt, genügt nicht. Das bedeutet keinesfalls, dass die hier verlangte Forschung in irgendeiner Hinsicht weniger wissenschaftlich oder ´niedriger´ sei als die für die reine Wissenschaft auf dem Gebiet der sozialen Erscheinungen nötige. Ich bin geneigt, das Gegenteil für wahr zu halten" (Lewin, 1953, S. 280)1.

Entstehung

Handlungsforschung, Aktionsforschung und Tatforschung sind synony­me Übersetzungen des Begriffs „Action Research", den Kurt Lewin in den 1940er Jahren geprägt hat. Lewin wollte damit eine Wissenschaft begründen, deren Forschungsergebnisse unmittelbaren Nutzen für die Praxis haben. Lewin ging es darum, praxisnahe Hypo­thesen aufzustellen und entsprechend dieser Hypothesen sinnvolle Veränderungen im sozialen Feld (social change) durchzuführen, um dann in längerfristigen Studien die Auswirkungen dieser Verände­rungen zu kontrollieren (Huschke-Rhein, 1991;2 Stangl, 2004)3.

Einsatzfeld

Wirft man einen Blick auf die Anwendungsgebiete der Handlungsfor­schung, so macht es Sinn, die ursprüngliche Utopie dieses For­schungsplans zu betrachten. Eigentliches Anliegen war, dass jegliche Forschung nach dem Prinzip der Handlungsforschung vorgeht, dass es durch einen Zusammenschluss aller Handlungsforschungsprojekte zu einem echten sozialen Fortschritt kommt und dass damit die viel be­klagte Kluft zwischen Theorie und Praxis überwunden wird (Mayring, 2002)4.

Einsatz in der Bildungsforschung

Heute blicken wir in diesem Zusammenhang vor allem auf Projekte zurück, die in der Zeit der Bildungsreform der 1970er Jahre statt­fanden und zum Ziel hatten, in Kooperation mit Lehrern und Schüler neue Lehrpläne und Schulversuche umzusetzen und wissenschaftlich zu begleiten. Als weitere Anwendungsgebiete werden Hochschuldidak­tik, Gruppendynamik, Institutionsberatung, Randgruppenarbeit, Ent­wicklungsarbeit etc. genannt (Mayring, 2002). Zusammenfassend lässt sich sagen, dass immer dann, wenn an konkreten Praxispro­blemen angesetzt wird, um Veränderungsmöglichkeiten zu erarbeiten, Handlungsforschung möglich ist. Aber auch bei praxisferneren Frage­stellungen lassen sich Elemente von Handlungsforschung sinnvoll einbauen, wie z.B. die Rückmeldung der Ergebnisse an die Betroffe­nen.

 

  1. 1. Lewin, K. (1982).  Forschungsprobleme in der Sozialpsychologie II: Soziales Gleichgewicht und sozialer Wandel im Gruppenleben.. (Graumann, C. F., Ed.).Werkausgabe, Bd. 4., 237 - 290.
  2. 2. Huschke-Rhein, R. (1991).  Systemische Pädagogik, Band II, Qualitative Forschungsmethoden.
  3. 3. Stangl, W. (2004).  Handlungsforschung..
  4. 4. Mayring, P. (2002).  Einführung in die qualitative Sozialforschung.