IV: 4. Qualitatives Experiment

Allgemeine Informationen

Beschreibung

Untersuchungsanordnungen, die der kontrollierten Überprüfung von Hypothesen dienen und hierzu neben der Experimentalgruppe eine Kontrollgruppe einsetzen, bezeichnet man im Allgemeinen als Experi­mente (Schnell, Hill & Esser, 1992)1. Das Experiment gilt als die Krone der Wissenschaft schlechthin, als die einzige Möglichkeit, Kausalzu­sammenhänge aufzudecken (Mayring, 2002)2. Diese Aussage bezieht sich auf das quantitative Laborexperiment, bei dem alle „Störvaria­blen", die neben der untersuchten abhängigen und unabhängigen Variablen sowie interessierenden Moderatorvariablen kontrolliert wer­den. Vertreter eines qualitativen Ansatzes lehnen Laborexperimente ab, weil eine künstliche Laborsituation nicht ermöglicht, den unter­suchten „Gegenstandsbereich" (Mensch) in seinem Kontext und seiner Individualität zu verstehen (Mayring, 2002), wie es das qualitative Paradigma einfordert.

Entstehung

Qualitative Experimente können auf eine lange Geschichte zurück­blicken. Vorläufer finden sich bei Aristoteles, und auch die natur­wissenschaftliche Entwicklung im 17. und 18. Jahrhundert, hier vor allem bei Galileo und Newton, stützt sich auf qualitative Experimente - genannt sei Newtons Pendelversuch. Das qualitative Experiment als Forschungsdesign ist verwandt mit dem Feldexperiment und dem Krisenexperiment der Ethnomethodologie, einem Verfahren, das ver­sucht, Alltagsinteraktionen zu verunsichern bzw. zu verändern, um deren Basisregeln zu eruieren.

Einsatzfeld

Qualitative Experimente sind immer dann sinnvoll, wenn ein Forscher anhand eines bestimmten Gegenstands dessen Strukturen erschließen will und sich diese Strukturen nicht durch „bloßes Hinsehen" intuitiv erschließen lassen. Dann lassen sich experimentelle Bedingungen schaffen und experimentelle Eingriffe vornehmen, um Schlussfolge­rungen hinsichtlich der Natur des Forschungsgegenstands anzustellen. So kann ein qualitatives Experiment zum Beispiel auch im univer­sitären Umfeld durchgeführt werden, um herauszufinden, welche didaktischen Methoden am besten geeignet sind, um Studenten Inhalte näher zu bringen - im Rahmen eines Experiments könnten dann unterschiedliche Methoden getestet und ausgewertet werden.

 

  1. 1. Schnell, R., Hill R. B., & Esser E. (1992).  Methoden der empirischen Sozialforscung.
  2. 2. Mayring, P. (2002).  Einführung in die qualitative Sozialforschung.