IV: 6. Einzelfallforschung

Allgemeine Informationen

Beschreibung

Im Mittelpunkt der Einzelfallforschung steht der einzelne Mensch als Individuum oder eine einzelne soziale Einheit wie eine Gruppe oder eine Organisation. Es handelt sich bei der Einzelfallforschung um einen eigenständigen Forschungsansatz, nicht um eine spezifische

Erhebungstechnik (Lamnek, 1995)1. Einzelfallstudien werden unter zwei verschiedenen Gesichtspunkten herangezogen: Zum einen dienen sie zur Entwicklung theoretischer Konzepte oder einzelner Hypothe­sen (Hypothesengenerierungs-Modell), zum anderen zur Erkundung des Forschungsfeldes, zur Überprüfung und Verbesserung von For­schungsmethoden sowie zur Vertiefung bereits gewonnener gene­reller Aussagen (Schnell, Hill & Esser, 1992)2.

Entstehung

Die historischen Ursprünge des einzelfallorientierten Denkens gehen bis in die Antike zurück und liegen in der Philosophie, der Theologie und der Rechtswissenschaft (Kraimer, 1995)3. Heutzutage findet man die Einzelfallforschung vor allem in der soziologischen Biographiefor­schung, der Pädagogik und der Psychologie.

Der Begriff „Einzelfall"

Der Begriff „Einzelfall" kann sich auf einzelne Personen oder einzelne soziale Einheiten beziehen:

  • Soziale Einheiten sind mehrere Personen im Sinne von Gruppen, Vereinen, Unternehmen, Kulturen oder ganzen Gesellschaften.
  • Einzelne Personen sind Individuen, beispielsweise mit seltenen Krankheiten oder anderen einzigartigen Merkmalen.

 

 

  1. 1. Lamnek, S. (1995).  Qualitative Sozialforschung. Die biographische Methode, Bd2. .
  2. 2. Schnell, R., Hill R. B., & Esser E. (1992).  Methoden der empirischen Sozialforscung.
  3. 3. Kraimer, K. (1995).  Die Einzelfallstudie mit Bibliographie zur qualitativen Sozialforschung. (E. König, P. Zedler, Ed.).Bilanz qualitativer Forschung.